Was passiert, wenn Zeit nicht verständlich ist?
Stell dir mal kurz deinen Alltag vor:
Du wachst auf, schaust auf die Uhr, planst deinen Tag, hetzt vielleicht zur Vorlesung, zum Nebenjob oder zum Treffen mit Freunden. Zeit ist dabei dein ständiger Begleiter – fast unsichtbar, aber immer präsent.
Und jetzt stell dir vor, genau das funktioniert nicht.
Uhrzeiten ergeben keinen Sinn. Tagespläne sind verwirrend. Und jeder Tag fühlt sich ein bisschen chaotisch an.
Für viele Menschen mit kognitiven Einschränkungen ist das Realität.
Und genau hier setzt das Startup INCLUSYS an.
Wenn Zeit zur Barriere wird
Zeit gilt oft als etwas Objektives. Sekunden, Minuten, Stunden – klar definiert.
Aber in Wahrheit ist Zeit auch etwas, das man verstehen können muss.
Für Menschen mit Autismus, ADHS oder anderen kognitiven Einschränkungen ist genau das häufig eine große Herausforderung. Klassische Kalender oder Uhren helfen hier oft nicht weiter – sie setzen Fähigkeiten voraus, die nicht für alle selbstverständlich sind.
Die Folge ist ein Alltag, der stark von Unsicherheit geprägt ist. Viele Betroffene sind auf Unterstützung angewiesen, müssen nachfragen oder fühlen sich fremdbestimmt.
Und genau hier beginnt eine einfache, aber kraftvolle Idee:
Was wäre, wenn Zeit nicht abstrakt, sondern greifbar und verständlich wäre?
Wie Zeit neu gedacht werden kann
Das Herzstück von INCLUSYS ist der sogenannte Zeitkompass – ein System, das den Tag nicht in Zahlen, sondern in klaren, verständlichen Abläufen darstellt.
Statt abstrakter Uhrzeiten steht im Mittelpunkt, was als Nächstes passiert: Der Tag wird in nachvollziehbare Schritte gegliedert, die Orientierung geben und Sicherheit schaffen. Was zunächst simpel klingt, verändert im Alltag sehr viel. Plötzlich wird der Tag vorhersehbar, Abläufe ergeben Sinn und Entscheidungen können eigenständig getroffen werden. Aus einem ständigen „Was passiert jetzt?“ wird ein sicheres „Ich weiß, was als Nächstes kommt.“
Smartwatch statt Zettelchaos
Wie sich das konkret anfühlt, zeigt sich im Alltag – zum Beispiel über die Smartwatch, mit der der Zeitkompass genutzt werden kann. Direkt am Handgelenk begleitet sie ihre Nutzerinnen und Nutzer durch den Tag und macht die zuvor geplanten Abläufe jederzeit zugänglich. Aktivitäten werden durch Symbole und Bilder visualisiert, Erinnerungen unterstützen im richtigen Moment und Sprachausgaben geben zusätzliche Orientierung.
Vieles, was zuvor Unsicherheit ausgelöst hat, tritt in den Hintergrund: ständiges Nachfragen wird seltener, Missverständnisse nehmen ab und auch Konflikte können reduziert werden.
Eine Betreuungsperson bringt es dabei auf den Punkt:
„(…) Mit der Uhr kann man nicht streiten.“
Selbstständigkeit beginnt im Kleinen
Was INCLUSYS hier entwickelt hat, geht weit über reine Technik hinaus. Im Kern geht es um etwas viel Größeres: Selbstwirksamkeit.
Denn wenn Menschen verstehen, was um sie herum passiert, können sie handeln. Und wer handeln kann, gewinnt Schritt für Schritt mehr Unabhängigkeit. Genau darin liegt die eigentliche Veränderung – nicht in der Technologie selbst, sondern in dem, was sie ermöglicht.
Der Zeitkompass unterstützt genau diesen Prozess: Er hilft dabei, den Alltag besser zu strukturieren und ihn nach und nach von fremdbestimmt zu selbstbestimmt zu entwickeln.
Und was hat das mit Entrepreneurship zu tun?
Vielleicht fragst du dich an dieser Stelle: Was hat das alles eigentlich mit Gründen zu tun?
Die Antwort ist ziemlich einfach: genau darin liegt der Kern von Entrepreneurship. Es geht nicht um Buzzwords oder perfekte Businesspläne, sondern darum, ein reales Problem zu erkennen und eine Lösung zu entwickeln, die das Leben von Menschen konkret verbessert.
INCLUSYS macht genau das sichtbar. Die Idee entstand mitten im echten Leben – inspiriert durch persönliche Erfahrungen im Umfeld der Gründer. Gleichzeitig wurde das Produkt an der Universität Würzburg im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt und in enger Zusammenarbeit mit Pflegeeinrichtungen und Fachstellen erprobt.
Was daraus entstanden ist, ist kein Selbstzweck, sondern ein Projekt mit echter Wirkung.
Warum genau solche Ideen die Zukunft sind
Technologie wird oft mit Effizienz und Wachstum verbunden. Projekte wie INCLUSYS zeigen jedoch eine andere, vielleicht wichtigere Seite: Technologie kann Teilhabe ermöglichen.
Gerade in einer Welt, die immer komplexer wird, sind Lösungen gefragt, die Dinge einfacher machen – und zwar für alle Menschen, nicht nur für diejenigen, die ohnehin gut zurechtkommen.
Dabei geht es längst nicht nur um technische Innovation, sondern auch um die Fähigkeit, Perspektiven einzunehmen, Bedürfnisse zu verstehen und gesellschaftliche Zusammenhänge mitzudenken. Empathie, Kreativität und ein offener Blick auf die Welt werden so zu zentralen Treibern für echte Innovation.
Vielleicht ist Gründen doch näher, als du denkst
Vielleicht ist dir das Thema Gründen im Studienalltag bisher eher am Rande begegnet – etwas, das spannend klingt, aber nicht unbedingt nach dem eigenen Weg.
Doch Beispiele wie INCLUSYS zeigen, dass Gründen weit mehr ist als Businesspläne und Zahlen. Im Kern geht es darum, Probleme wahrzunehmen, die andere übersehen, die richtigen Fragen zu stellen und Ideen zu entwickeln, die im Alltag einen echten Unterschied machen.
Und vielleicht verändert sich genau dadurch auch deine Perspektive ein Stück weit. ZENTRIA möchte dir die Möglichkeit bieten, genau solche Ideen weiterzudenken – und aus ihnen Schritt für Schritt etwas Eigenes zu entwickeln.

