KI ist im Mainstream angekommen
Stell dir vor, du sitzt um 3:00 Uhr nachts an deiner Geschäftsidee und hast plötzlich einen erfahrenen Investor an deiner Seite, der dir Feedback gibt. Klingt nach Zukunftsmusik? Vor vier Jahren wäre es das noch gewesen.
Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Begriff mehr, der nur in der Forschung, in Hackerkreisen oder unter Science-Fiction-Fans Anklang findet. Seit der Veröffentlichung von ChatGPT, dem Chatbot der Firma OpenAI, im November 2022 ist KI als Technologie in der breiten Gesellschaft angekommen. Und wie bei jeder technischen Revolution stellt sich die Frage: Wie verändert das die Startup-Welt?
KI und Startups
Auf den ersten Blick passen KI und Startups perfekt zusammen. Mit diesen Systemen lassen sich Prozesse effizienter digitalisieren und automatisieren – die idealen Anknüpfungspunkte für Gründergeist: Ob intelligente E-Mail-Verteiler, 24/7-Chatbots oder agentische Schwärme – das Potenzial ist enorm. Zudem hat sich immer wieder herausgestellt, dass Timing einer der entscheidendsten Faktoren für den Erfolg eines Startups ist. Und der Zeitpunkt könnte wohl nicht besser sein.
Doch genau hier möchte ich dich kurz stutzen lassen. Denn ich präsentiere eine Gegenthese: KI als Kernprodukt ist für die meisten Startups nicht zielführend, häufig sogar kontraproduktiv.
KI (nicht) als Produkt
Warum das? Man muss zwischen zwei Rollen unterscheiden: KI als primäres Produkt und KI als sekundäres Werkzeug. Wer KI in sein Produkt integriert, läuft Gefahr, dass der Modellanbieter im nächsten Update eine besser integrierte, eigene Lösung herausbringt und das eigene Startup damit obsolet macht. Die Abhängigkeit ist strukturell: Was heute ein Startup ist, ist morgen ein Punkt im Dropdown-Menü in den Einstellungen von ChatGPT.
Und wer KI gleich selbst bauen will? Der stößt auf ein noch härteres Problem. GPT-4 hat laut Sam Altman, dem CEO von OpenAI, über 100 Millionen Dollar gekostet. Die romantische Gründungslegende vom kleinen Team in der elterlichen Garage hat mit dieser Realität nichts mehr zu tun. Weder die Rechenzentrums- noch die Personalkosten lassen sich wegdiskutieren: Ein kompetitives Sprachmodell entsteht nunmal nicht über ein Wochenende durch eine Person.
Das bedeutet nicht, dass KI als Produkt grundsätzlich unmöglich ist. Ein kleines, fokussiertes Team kann durchaus eigene Modelle für enge Nischen entwickeln und seine Agilität als echten Vorteil ausspielen. Aber es bleibt die Ausnahme, nicht die Regel. Ein Überfokus auf KI als Kern des Produkts kann somit kontraproduktiv sein: Die Motivation und das Interesse verschwinden.
Wie sollten Gründungsinteressierte also mit KI umgehen, wenn beides schwieriger ist, als es auf den ersten Blick scheint?
KI als Booster
Hier ein Gedankenspiel: Welche der Firmen, die in den letzten Jahren die Welt verändert haben, sind eigentlich als KI-Startups gestartet? Die ehrliche Antwort: kaum eine. AirBnB, Spotify, Facebook, Duolingo, Canva, Figma und Notion hatten mit KI ursprünglich nichts zu tun und haben trotzdem die Welt verändert. Richtig gute Ideen brauchen kein KI-Label.
Und dennoch kann KI enorm nützlich sein, nämlich als Booster. Zu Beginn deckt ein Team nicht alle Rollen ab, die eigentlich notwendig sind. Das muss heute kein Hindernis mehr sein. So kann KI in frühen Phasen fehlende Softwareentwickler ersetzen, um schnell Prototypen zu erstellen, welche die Vision zeigen. KI kann kreative Marketing-Ideen vorschlagen, um eine Verbindung zu den Kunden aufzubauen. Sie erleichtert die Recherche, hilft bei der Validierung von Ideen – und das rund um die Uhr. Erinnerst du dich noch an den eingangs erwähnten Investor um 3:00 Uhr nachts? Genau das ist heute möglich: binnen Minuten eine fundierte Einschätzung aus der Perspektive eines erfahrenen Investors zu bekommen und darüber produktiv zu diskutieren. Diese Möglichkeiten gab es vor vier Jahren schlichtweg noch nicht. Wir sehen also, dass KI Talentlücken stopft und die Geschwindigkeit dramatisch erhöht.
KI muss also weder Ziel noch Weg sein. KI ist der Rennwagen, mit dem man schneller ans Ziel kommt, vorausgesetzt man weiß, wohin man will.
KI allein reicht nicht
Aber was nützt der schnellste Rennwagen ohne jemanden am Steuer? Ein Rennwagen braucht einen Fahrer, und idealerweise eine Crew. Ein Tag hat nur 24 Stunden und auch autonome KI-Agenten wollen überwacht werden. Im Team gelingt das leichter. Wer sich mit Gleichgesinnten umgibt, denkt außerdem schärfer, bleibt motivierter und kommt schneller voran. Genau das bietet ZENTRIA: Eine Community von Gleichgesinnten zum Austauschen, Vernetzen und Wachsen. Das gekoppelt mit einer breiten Auswahl von Modulen der Partnerhochschulen liefert die ideale Umgebung, um erfolgreich zu gründen. Der entscheidende Faktor ist nun einmal nie ein Tool, sondern die intrinsische Motivation. Denn wer sich nicht auf den Weg begibt, dem nützen auch die vielen PS nichts.

